Wie funktioniert der Verkehr in Buenos Aires? Einige banale Regeln, die besser - vor allem vom gemeinen Deutschen - beachtet werden (übrigens auch für Fußgänger nicht uninteressant). An dieser Stelle könnten Kenner südamerikanischer Städte vielleicht einwenden, Regeln gäbe es auf diesen Straßen nicht (Fahrbahnlinien werden nicht beachtet etc.). Dem kann ich nach meiner Beobachtung nicht zustimmen. Nur auf den ersten Blick scheint es so.
Der Aufmerksame erkennt jedoch sehr strenge Regeln. Bei Nichtbeachtung droht Chaos. Beispiel: Rechts-vor-Links-Kreuzung.
Regel no.1: Rechts-vor-Links? Ergo: Annahmen hinterfragen.
Regel no.2: Busse ("Colectivos") haben immer Vorfahrt. Laut, bunt, rücksichtslos sind sie (nach eigenem Ermessen) die wahren Könige der Straßen von BA. Ergo: Je lauter desto Erster.
Regel no.3: Immer möglichst zügig auf die Kreuzung zufahren, bloß nicht schon Meter vorher anfangen zu bremsen. Ergo: Mut statt Vorsicht.
Regel no.4: Sollten zur gleichen Zeit tatsächlich andere Autos die Kreuzung queren - was durchaus sehr wahrscheinlich ist - möglichst erst 3 cm vor dem etwaigen Berührungspunkt, und nur sehr plötzlich bremsen. Ergo: Geduld statt Hektik.
Regel no.5: Eine Hupe ist zum Hupen da. Wie die Sprache zum Sprechen. Ergo: Nutzen! (Es ist wie ein gutes Gespräch)
Regel no.6: Grundsätzlich gilt: die Anderen können nicht Autofahren. Ergo: Ordentlich schimpfen. (Hilft auch zur schnellen Verarbeitung der ganzen Aufregung)
Wir sehen, der Verkehr in BA trainiert wichtige Fähigkeiten, u.a. Geschicklichkeit, Artikulationsfähigkeit, Reaktionsvermögen. Wie gesagt: auch Fußgänger profitieren. Geheimtipp: Motorrad zulegen (Bild). Wendigkeit zahlt sich aus.
Wenn's doch mal rappelt hilft nur noch das hier (lautstark): "La concha de la lora!" (Verdammte Scheiße! Lustiger ist die wörtliche Bedeutung, die sich etwa mit dem weiblichen Genital eines Papageis übersetzen ließe).
(Lesetipp: Überlebenskampf im Asphaltdschungel)
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